Seute Deern

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Seute Deern

Beitrag von Sehzeichner » Fr 15. Sep 2017, 12:10

Seute_Deern_unter_Segeln.jpg
© : Peter O. Walter – Mit freundl. Genehmigung http://www.esys.org/
Am 18.11.1968 war es nun also soweit :
viele von uns Kadetten betraten zum ersten Mal in ihrem Leben die Planken eines seegehenden Schiffes, wenn auch vorerst “nur” die eines relativ kleinen Segelschiffes.

Der Lehrgang auf dem “Schulschiff Deutschland” war vor 2 Tagen mit einer Prüfung abgeschlossen worden und vor uns an der Pier in Travemünde, direkt gegenüber des Großseglers “Passat” lag die “Seute Deern”, eine vom Norddeutschen Lloyd zu Ausbildungszwecken für seinen nautischen Nachwuchs gecharterte Gaffel-Ketsch.
Vor der Reform der Ausbildung an den Seefahrtschulen (Januar 1970) bestand die Pflicht für angehende Offiziere, auf einem Segelschiff zu lernen und so sollte die 1939 auf der Werft J. Ring-Andersen Skibsværft im dänischen Svendborg als Gaffel-Ketsch ganz in Eiche erbaute und mit einem Diesel-Hilfsmotor ausgerüstete “Seute Deern” ( ursprünglich “Havet”, später “Noona Dan” ) für die nächsten Wochen unser schwimmendes Zuhause und Ausbildungsort zugleich werden.
Die Stammbesatzung zu der Zeit bestand aus dem Schiffsführer, Herrn Kapitän Lothar Wende, den Ausbildungsoffizieren Herren I.WO Metz und II.WO Finck, dem Maschinisten Herrn Sander, einem Koch ( der Name ist mir entfallen… ) und 2 Leichtmatrosen mit den Spitznamen “Lupo” und “Chamaco” ( deren richtige Namen mir ebenfalls leider entfallen sind ).


Nachdem wir von der Stammbesatzung begrüßt worden sind, unsere Seesäcke unter Deck auf ziemlich engem Raum verstaut und unsere HÄNGEMATTEN ! gezurrt hatten, ging es an Deck zu einer 1. Unterweisung. Wir wurden mit der Takelage des Schiffes, seinen Sicherheitseinrichtungen und dem Dienstablauf vertraut gemacht; zu diesem Zweck wurden wir Kadetten in 2 Wachen eingeteilt : eine Steuerbord- und eine Backbordwache mit je einem Offizier und Leichtmatrosen als Wachführer.

Für einen reibungslosen Ablauf des Geschehens an Bord mussten wir natürlich noch weitere Aufgaben übernehmen – Kartoffelschälen war hier sehr beliebt! – und so tasteten wir uns langsam an den Auslauftermin heran.

Es war mittlerweile schon ungemütlich kalt und mitunter auch recht stürmisch geworden ( immerhin zeigte der Kalender den Monat November an ), als wir
am ??.??.1968 zu unserer großen Norwegenreise ausliefen.
Das Ablegemanöver klappte soweit ganz gut und mit Maschinenkraft ging es, vorbei an der Viermastbark “Passat” raus in die Lübecker Bucht.
Aufgrund des relativ hohen Verkehrsaufkommen liefen wir noch eine geraume Zeit mit dem Diesel bis dann das Kommando “Segel setzen” beide Wachen das erste Mal auf See zu den entsprechenden Manöverstationen rief.
Meine Station war, gemeinsam mit einem Kameraden ( vermutlich war es
Bernd Steinke ) die Saling des Großmastes; dort waren wir für das Gaffeltopsegel zuständig.
Es handelte sich hierbei um ein leichtes Segel, welches als Dreikantsegel geschnitten war. Es war fest am Masttopp (dem obersten Teil des Mastes) angebracht.

Wie oft haben wir uns bei rauher See dort oben in fast 26m Höhe festgeklammert, uns verzweifelt angesehen und uns dann gegenseitig “in die Mützen gespuckt”…
Nie wieder war ich derart Seekrank wie zu dieser Zeit, aber auf der “Seuten Deern” sind mir dann letztendlich doch meine SEEBEINE gewachsen…
Am 12. Februar 1969 endete dann nach 2 Monaten und 24 Tagen unsere Zeit auf der “Seuten Deern” mit dem Einlaufen in Lemwerder und nach ein paar Tagen Urlaub sollten wir alle gemeinsam auf der MS “Rothenstein” einsteigen.
Meine Erinnerungen an diese Reise sind nach über 40 Jahren nur noch sehr Bruchstückhaft und so möchte ich es einstweilen bei dieser Schilderung belassen…alles andere wäre wohl Seemannsgarn, oder? Vielleicht setzt sich das Puzzle ja noch irgendwann zusammen ( wie gesagt, meine Netzrecherche läuft ) und wenn dies der Fall sein sollte, werde ich diese Seiten natürlich entsprechend aktualisieren.



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